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    Dermatologie-Ratgeber

    Was hilft gegen Akne?

    Medizinisch geprüft

    Akne vulgaris ist die weltweit häufigste Hauterkrankung und betrifft bis zu 85 % aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch auch im Erwachsenenalter kann Akne auftreten -- etwa 20-40 % der Betroffenen sind über 25 Jahre alt. Die Erkrankung reicht von leichten Komedonen bis zu schweren entzündlichen Verläufen und kann erhebliche psychische Belastung verursachen.

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    Fakten auf einen Blick

    Häufigkeit

    Bis zu 85 % aller Jugendlichen

    Erwachsenenakne

    20-40 % der über 25-Jährigen

    Schwere Formen

    Ca. 15-20 % der Betroffenen

    Hauptursache

    Hormonelle Stimulation der Talgdrüsen

    Therapiedauer

    Mind. 6-12 Wochen bis Besserung

    Ursachen und Entstehung der Akne

    Akne entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Das Verständnis dieser Mechanismen ist wichtig für die Wahl der richtigen Behandlung.

    Hormonelle Einflüsse

    Androgene (männliche Geschlechtshormone, die bei beiden Geschlechtern vorkommen) stimulieren die Talgdrüsen zu verstärkter Sebumproduktion. In der Pubertät steigt der Androgenspiegel stark an, was die hohe Akne-Prävalenz bei Jugendlichen erklärt. Bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus, durch PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) oder nach Absetzen der Antibabypille Akne auslösen oder verschlimmern.

    Verstopfung der Talgdrüsen (Komedogenese)

    Eine Verhornungsstörung der Talgdrüsenausführungsgänge führt dazu, dass abgestorbene Hautzellen nicht abgestoßen werden, sondern den Kanal verstopfen. Es entstehen geschlossene (weiße) und offene (schwarze) Komedonen. Die dunkle Färbung offener Komedonen entsteht durch oxidiertes Melanin, nicht durch Schmutz.

    Bakterielle Besiedlung (Cutibacterium acnes)

    Das Bakterium Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes) lebt natürlicherweise in den Talgdrüsen. Bei Sebumüberschuss vermehrt es sich und löst eine Entzündungsreaktion aus: Es entstehen Papeln, Pusteln und in schweren Fällen Knoten und Zysten. Aktuelle Forschung (Dréno et al., 2018) zeigt, dass nicht die Bakterienmenge, sondern bestimmte Stämme besonders entzündungsfördernd wirken.

    Weitere Einflussfaktoren

    Genetische Veranlagung spielt eine bedeutende Rolle -- Studien an Zwillingen zeigen eine Erblichkeit von ca. 80 %. Stress kann über die Cortisol-Achse Akne verschlimmern. Die Rolle der Ernährung ist umstritten, jedoch zeigen neuere Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen hochglykämischer Kost (Zucker, Weißmehl) und Akne-Schwere (Smith et al., Am J Clin Nutr, 2007). Milchprodukte stehen ebenfalls in der Diskussion.

    Hautpflege und Hausmittel

    Eine angepasste Hautpflegeroutine ist die Basis jeder Akne-Behandlung. Sie kann bei milder Akne allein ausreichen und unterstützt bei schwereren Formen die medikamentöse Therapie.

    Sanfte Reinigung

    Zweimal tägliche Reinigung mit einem milden, seifenfreien Syndet (pH 5,5) entfernt überschüssigen Talg, ohne die Hautbarriere zu schädigen. Aggressive Reinigung, Peelings mit Schleifpartikeln und alkoholhaltige Toner sind kontraproduktiv -- sie reizen die Haut und können die Talgproduktion reaktiv steigern. Gesicht niemals "schrubben" und Pickel nicht ausdrücken, da dies zu Entzündungen und Narbenbildung führen kann.

    Nicht-komedogene Pflege

    Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz sind auch bei öliger Haut wichtig. Produkte sollten als "nicht-komedogen" oder "ölfrei" gekennzeichnet sein. Leichte Gel-Texturen oder Fluids auf Wasserbasis sind in der Regel geeigneter als reichhaltige Cremes. Sonnenschutz ist besonders wichtig, wenn Akne-Medikamente die Lichtempfindlichkeit erhöhen (z. B. Retinoide, Doxycyclin).

    Zink und Teebaumöl

    Zinksalbe (z. B. Zinksulfat) kann entzündungshemmend und leicht austrocknend wirken. Teebaumöl (5%ige Lösung) zeigte in einer Studie (Bassett et al., 1990, Medical Journal of Australia) eine Wirkung bei milder bis mittelschwerer Akne, vergleichbar mit 5 % Benzoylperoxid, allerdings mit langsamerem Wirkungseintritt. Teebaumöl kann Kontaktallergien auslösen und sollte nie unverdünnt aufgetragen werden.

    Ernährungsanpassung

    Eine Reduktion hochglykämischer Lebensmittel (Zucker, Weißmehl, Süßgetränke) kann bei manchen Betroffenen die Akne-Schwere reduzieren. Eine Cochrane-Übersicht (2015) stuft die Evidenz allerdings als "niedrig" ein. Eine generelle Diätempfehlung lässt sich nicht aussprechen, jedoch kann ein individueller Verzicht auf verdächtige Lebensmittel über 4-6 Wochen aufschlussreich sein.

    Medizinische Behandlungsmöglichkeiten

    Bei mittelschwerer bis schwerer Akne oder wenn Hautpflege allein nicht ausreicht, stehen verschiedene medikamentöse Therapien zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt stufenweise und wird vom Arzt individuell angepasst.

    Benzoylperoxid (BPO, rezeptfrei)

    BPO ist ein Standardmittel der Akne-Therapie, das antibakteriell und komedolytisch wirkt. Erhältlich in Konzentrationen von 2,5-10 % als Gel oder Waschlotion. Eine Stärke von 2,5-5 % ist oft ausreichend wirksam bei besserer Verträglichkeit als höhere Konzentrationen (Leyden et al., JAAD 1989). Mögliche Nebenwirkungen sind Hauttrockenheit, Rötung und Bleichen von Textilien. BPO erzeugt keine bakteriellen Resistenzen.

    Topische Retinoide (verschreibungspflichtig)

    Adapalen (0,1-0,3 %) und Tretinoin regulieren die Verhornung, wirken komedolytisch und entzündungshemmend. Sie gelten gemäß der S2k-Leitlinie (AWMF) als Basistherapie bei komedogener und entzündlicher Akne. Die Wirkung setzt erst nach 6-12 Wochen ein, und anfänglich kann eine Verschlechterung auftreten. Die Haut wird lichtempfindlicher -- Sonnenschutz ist zwingend erforderlich. Der Arzt entscheidet über die Verordnung.

    Antibiotika (verschreibungspflichtig)

    Topische Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin) werden stets in Kombination mit BPO oder Retinoiden eingesetzt, um Resistenzbildung zu vermeiden -- nie als Monotherapie. Bei schwerer entzündlicher Akne können orale Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin) für maximal 3 Monate eingesetzt werden. Orale Antibiotika beeinflussen die Darmflora und können Photosensitivität verursachen. Der Arzt wägt Nutzen und Risiken ab.

    Isotretinoin (verschreibungspflichtig, strenge Indikation)

    Isotretinoin (orales Retinoid) ist die wirksamste Therapie bei schwerer, vernarbender Akne und kommt in Frage, wenn andere Behandlungen versagt haben. Es bewirkt eine dauerhafte Verkleinerung der Talgdrüsen. Aufgrund potenziell schwerer Nebenwirkungen (Teratogenität, Leberwerterhöhung, Trockenheit, psychiatrische Effekte) unterliegt es strengen Verordnungsrichtlinien. Frauen müssen eine sichere Kontrazeption gewährleisten. Der Dermatologe entscheidet über die Indikation und überwacht die Therapie engmaschig.

    Wann zum Arzt?

    Bei leichter Akne mit vereinzelten Mitessern und Pickeln kann eine angepasste Pflegeroutine ausreichen. In folgenden Situationen ist eine ärztliche Vorstellung empfehlenswert.

    Entzündliche Akne mit Pusteln und Knoten

    Sobald tiefe, schmerzhafte Entzündungen (Papeln, Pusteln, Knoten) auftreten, die auf frei verkäufliche Präparate nicht ansprechen, ist eine verschreibungspflichtige Therapie in der Regel notwendig. Frühzeitige Behandlung kann die Narbenbildung verhindern.

    Narbenbildung

    Wenn bereits Aknenarben (atrophe "Ice-Pick"-Narben, hypertrophe Narben) sichtbar werden, sollte die aktive Akne dringend ärztlich behandelt werden. Zusätzlich können dermatologische Verfahren wie Fruchtsäure-Peelings, Microneedling oder Laserbehandlungen nach Abklingen der aktiven Akne die Narben verbessern.

    Psychische Belastung

    Akne kann erheblichen Einfluss auf Selbstwertgefühl und soziale Teilhabe haben. Studien (Halvorsen et al., 2011) zeigen ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen bei Betroffenen. Wenn die Akne die Lebensqualität spürbar beeinträchtigt, ist eine ärztliche Behandlung wichtig -- auch bei objektiv milder Ausprägung.

    Wann zum Arzt?

    • Pickel und Komedonen niemals mit ungewaschenen Händen ausdrücken -- es besteht ein erhöhtes Infektions- und Narbenrisiko. Professionelle Ausreinigung durch eine geschulte Kosmetikerin oder den Dermatologen ist die sichere Alternative.
    • Isotretinoin darf in der Schwangerschaft unter keinen Umständen eingenommen werden, da es zu schweren Fehlbildungen beim Kind führen kann. Frauen müssen vor, während und mindestens einen Monat nach der Therapie sicher verhüten.
    • Topische Antibiotika dürfen nicht als Monotherapie bei Akne eingesetzt werden, da dies zu resistenten Bakterienstämmen führen kann. Die Kombination mit BPO oder Retinoiden ist Standard.
    Medizinisch geprüft

    Geprüft von Docto24 Ärzteteam · Letzte Aktualisierung: 1.7.2026

    Dieser Artikel wurde von approbierten Ärzten auf medizinische Richtigkeit überprüft.

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